Hohe Gewinn-Versprechen ohne fundierte Erklärung

Eine ad hoc Gruppe von Schweizern und Österreichern hoffte, mit sogenanntem Bitcoin-Trading, hohe Erträge erwirtschaften zu können. Dies sollte so erfolgen, dass einer der Vertragspartner, eben Thomas Koller, „Bitcoin-Börsen Mittel zur Verfügung stellt, mit denen getradet werden sollte“. Es wurde nie genau erklärt, um was für ein Trading es sich handeln soll. Auch ist nicht nachvollziehbar, warum eine Börse selbst Mittel benötigen soll, denn eine Börse ist ein Handelsplatz, auf dem Werte Dritter mit deren Mitteln gehandelt werden.

Werbetrommel mit seriösem Anschein

Die Investoren waren auf ein seriöses Geschäft aus und regelten im Oktober 2018 wesentliche Aspekte in einem Vertrag. Vertragspartner war ein angeblicher Verein „Da Vinci Fintech Executive Association Switzerland“, vertreten u. a. durch Thomas Koller, Wien, «Jimmy» Guo-Yong Chien, ebenfalls Wien, Mili (Milivoje) Batista de Oliveira, Zug. Sitz des Vereins hätte die Dammstrasse 16, 6300 Zug, sein sollen. Hinweise, dass ein solcher Verein je bestanden hat, gibt es nicht: Kein Handelsregister-Auszug (was zwar nicht obligatorisch wäre), keine Statuten, die Unterzeichnenden gaben keine Vereinsfunktion an, wie Präsident, Kassier usw. Auf Nachfrage bei Batista konnte dieser keine Dokumente über den Vereine vorlegen. Einen angeblichen Auflösungsbeschluss, den er immerhin einmal zusagte, kam nie. Man darf darum davon ausgehen, dass der Verein lediglich behauptet wurde, um gegenüber Investoren einen mit dem Vereins-Status normalerweise verbunden seriösen Eindruck zu erwirken. Ein shared office Vertrag an der genannten Sitzadresse des Vereins kam nach Auskunft des Betreibers nie zustande.

Milli Batista wie auch andere rührten fleißig die Webetrommel. Die Beteiligten investierten insgesamt eine beachtliche Summe  von Coins, welche alle auf das Wallet von Thomas Koller flossen. Milli Batista de Oliveira kommt eine besondere Bedeutung zu, weil er das Renommee eines Kryptowährungs-Spezialisten hatte. Er schuf durch seine Erklärungen Vertrauen für das Trading, unter anderem dadurch, dass er gemäß mehreren Zeugen diesen ein Walltet mit 1000 BTC zeigte, welches als „Reserve“ dienen solle, „wenn es einmal einen Handelsverlust gäbe“. Ein solche Reserve kam selbstredend nie zum Tragen. Es gibt bisher keine Hinweise, dass Batista selbst Coins oder andere Mittel vereinnahmt hat. Er hoffte vermutlich indirekt und längerfristig auf Vorteile, u.a. aus dem Verkauf einer Handelssoftware. Batista sagt, er gehe selbst mit Verlusten aus diesem Projekt hervor, indem Koller ihm z.B. die gelieferte Software nie bezahlt habe.

Erst Gewinnausschüttungen – dann angeblicher Totalverlust

Im November 2018 erfolgte eine erste Gewinnmeldung für September. Bis Mai 2019 erfolgten immer wieder stattliche Gewinnmeldungen und Ausschüttungen. Im Sommer 2019 kamen die Zahlungen ins Stocken. Eine letzte Gewinnausschüttung fand im August 2019 statt. Insgesamt wurden rund drei Viertel an die Investorengruppe ausbezahlt. Dies geschah immer unter dem Titel „Gewinn“. Die Investoren vermeinten somit, die vereinbarte Rückzahlung des Grundkapitals noch zugute zu haben.

Dann kursierte mündlich und in Telegram-Chats das Gerücht, „Thomas Koller soll alles verspielt haben“. Koller selbst äußerte sich nicht dazu. Einen vernünftigen Vorschlag von Investoren, den effektiven Verlust zu beziffern und einen allfälligen Rest auszuzahlen, liess er unbeantwortet. Ab dem Moment tauchte Koller ab.

„Ponzi Scheme“ (Schneeballprinzip)

Das beobachtete Muster (Schneeball-Prinzip, benannt nach dem italo-amerikanischen Betrüger Ponzi) und das Verhalten Kollers muss man so interpretieren, dass er nie mit irgendetwas „getradet“, sondern die behaupteten Gewinne aus dem Investitionskapital ausgeschüttet und den Rest, Grössenordnung ein Viertel der investierten Summe, für sich behalten hat. Zum heutigen Kurs entspricht dies einem Wert von deutlich über 1 Mio. Für die Ponzi-Scheme-Erklärung spricht, dass eine forensische Analyse der Coins-Ausschüttungen zeigt, dass diese teilweise von dubiosen Zahlern im Darknet stammten: Drogen-Einkauf, Casinos usw. Der Verdacht auf Gelwäsche liegt nahe. Es liegt mittlerweile ein Dokumente mit einer Aussage von Koller vor, in der er einräumt, dass es sich tatsächlich um eine Schneeballprinzip gehandelt hat.

Koller & Chien in Untersuchungshaft

Bekannte von Koller beschreiben seinen Charakter so, dass er auch ein paar Jahre ins Gefängnis gehen würde, um anschliessend von den gebunkerten Millionen zu leben. Mittlerweile wurde Thomas Koller tatsächlich verhaftet und in Untersuchungshaft genommen, zusammen mit Jimmy Chien. Maximilian Kozdron, ein Kompagnon von Chien, wurde zu einem sofortigen Verhör aufs Revier gebracht . Damit muss die ursprüngliche Strategie, die Coins für unsere Auftraggeber zurückzubringen, neu ausgerichtet werden.

Weiteres Vorgehen

Demnach bestehen nach den Verhaftungen folgende Aussichten für Geschädigte an ihr Geld / ihre Coins zu gelangen: Wir werden für die von uns vertretenen Personen Privatbeteiligten-Anschluss im Strafverfahren in Wien organisieren. Sofern die mutmasslichen Täter rechtskräftig verurteilt sind und Vermögenswerte sichergestellt werden konnten, werden Geschädigte ihre Coins oder zumindest einen Teil davon auf diesem Weg rückerstattet erhalten. Über weitere vorbehaltene Massnahmen berichten wir aus taktischen Gründen nicht.

Wurden Sie eventuell auch von Thomas Koller geschädigt? Welche Erfahrungen haben Sie mit Koller, Chien, Kozdron und Batista gemacht und welche weiteren Hinweise können Sie uns möglicherweise geben? Wir behandeln Ihre Hinweise auf Wunsch absolut vertraulich.

 

Mitteilungen zum Da-Vinci Betrug, Thomas Koller & Co.

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